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Monday, 22. December 2014
Kleines und Großes Eszett am Beispiel von Libertine Display
Abb. 1: das große Eszett
Abb. 2: Doppelkonsonantenligaturen
Abb. 4: wissenschaftliche Sonderzeichen (zum Vergrößern anklicken)
Hinting am Beispiel der Libertine
Abb. 5: Hinting im Vergleich. Originalbuchstabe als Umrisslinie im Hintergrund. Oben Rasterung ohne Hinting-Informationen unten verbesserte Rasterung (Grid-Fitting) durch Hinting.
Abb. 6: Horizontale (grün) und vertikale (violett) Hinting-Informationen. Rötlich schraffiert sind horizontale Bänder, (PS-Private-Werte), die dem Rasterizer mitteilen, welche Buchstabenteile wie hoch gerastert werden sollen.

Das große Eszett bzw. Versal-Eszett

Seit mehr als einem Jahrhundert fordern Typographen ein großes Eszett, um endlich Klarheit im Versalsatz zu schaffen. Nun hat das DIN-Institut einen Antrag bei der ISO eingebracht, der dafür sorgen wird, dass in Zukunft das große Eszett eine Position in Unicode bekommt (voraussichtlich U+1E9E). LinuxLibertine hat sich hier der Neuerung angeschlossen und auf Basis des Vorschlags von Andreas Stötzner (Signa Nr.9) zwei große Eszett hinzugefügt, ein Versal- und ein Kapitälchen-Eszett (siehe Grafik rechts). Weitere Informationen zum Thema finden sich unter Wikipedia: Versal-Eszett.

Doppelkonsonantenligaturen

Das Deutsche verfügt über einige Doppelkonsonanten, die oft in der Fraktur sogar eigene Ligaturen hatten und untrennbar waren, bzw. kurios getrennt wurden (ck > k-k). Diese Doppelkonsonanten werden in der LinuxLibertine auch wieder mit eigenständigen Zeichen bedacht. Die neue deutsche Rechtschreibung hat uns zudem durch den Wegfall der 3-Konsonantendiminutionsregel und einigen Eszetts manche typographisch unschöne Wortgebilde beschert (z.B. Schifffahrt). Durch die Doppelkonsonantenligaturen in der Libertine werden solche Fälle entschärft. Zusätzlich helfen sie dem Leser, die Zeichengruppe mit nur einem Lautwert als solche zu erfassen. Eine weitere praktische Konsequenz ist das kompaktere Wortbild und die Kürzung der arg langen deutschen Wortketten.

Naturwissenschaftliche Sonderzeichen

Besonders in den Naturwissenschaften werden oft Sonderzeichen benötigt. Ohne griechische Buchstaben als Variablen-Bezeichner käme bspw. die Mathematik gar nicht aus. In der Chemie werden Gleichgewichtspfeile regelmäßig verwendet, die Biologie benötigt ab und an die Geschlechterzeichen. Auch wenn man für echten Formelsatz noch immer einen besonderen Editor benötigt, kann man mit der Libertine im Fließtext mittels der Sonderzeichen schonmal einfache wissenschaftliche Sachverhalte wiedergeben.

Hinting (Bildschirmdarstellung)

Seit der Erfindung des Vektor-Fonts durch Adobe im Jahr 1986 besteht das größte Dilemma in der Bildschirmdarstellung. Denn leider ist der rasterlose Bildschirm noch nicht entwickelt worden. Während Drucker heutzutage mindestens 600dpi und mehr aufzulösen vermögen, müssen sich PC-Anwender noch immer mit den rund 90dpi ihres Bildschirmes begnügen. Das heißt für einen Buchstaben in 12 Punkt: Gerademal 10 mal 10 Pixel stehen zur Verfügung (siehe Abbildung 5). Die Software übernimmt die Aufgabe, den Buchstaben in das Raster zu einzuordnen (Grid-Fitting). Eine ausgefeilte Technik, die „Hinting“ genannt wird, dient dazu, dass keine wichtigen Informationen, wie z.B. Serifen und Querbalken verloren gehen und möglichst viele Buchstabenbestandteile scharf dargestellt werden. Dabei muss der Rasterizer jedoch die Metrik der Zeichen so verformen, dass sie auf die Pixel des Monitors passt. Das Ergebnis ist eine klarere Darstellung, jedoch sieht die Schrift dadurch am Bildschirm gänzlich anders aus, als später im Druck. „Hinting“ ist in dem Sinne keine „Besonderheit“, denn gute Schriften bringen es mit, jedoch benötigt ein Schriftgestalter einiges an Fachwissen und gute Software, will er seine Schrift gut „hinten“. Aktuelle Linux-Systeme haben oft einen sogenannten Auto-Hinter, wodurch sie Schriften ohne professionelles Hinting trotzdem bildschirmgerecht darzustellen vermögen. Die folgende Abbildung 6 vergleicht die unterschiedliche Darstellung mit und ohne Hinting (siehe auch Wikipedia: Hint).

Abb. 6: LinuxLibertine-Darstellung unter Word2003 auf WinXP bei 11Pt. „New Hinting“ seit Version 2.7.